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Das Lehrerbild in den Medien PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 05. Oktober 2008 um 19:01 Uhr
Dass Lehrer "faule Säcke" seien, gehört ja fast schon in den Zitatenschatz eines Bildungsbürgers. Aber wenn TV-Kinderunterhaltung darin gipfeln muss, Lehrer in Schaumbad zu werfen, wenn Lehrer-Serien ohne die Anrede "Herr" und "Frau" auskommen und wenn eine FAZ-Redakteurin sich zu dem Satz versteigen kann, Lehrer werde man, wenn man für anspruchsvollere Tätigkeiten nicht die Ausdauer habe, dann fragt man sich als überzeugter Lehrer, was in unserem Land falsch läuft.

Auch Jahre nach Altkanzler Gerhard Schröders berühmt-berüchtigter Verbalkeule gegen die behauptete Arbeitsuntüchtigkeit der deutschen Lehrerschaft ist das "teacher bashing" beliebt wie eh und je. Es scheint sich fast um tiefsitzende neurotische Störungen in der Wahrnehmung der Berufsgruppe zu handeln, die jeder zu kennen meint und der kaum noch jemand positive Eigenschaften zuzuschreiben bereit ist.

Dass man sich als Lehrer im Bekanntenkreis (sofern man überhaupt noch Menschen außerhalb der Lehrerzimmer kennt) nahezu pausenlos mit reflexhaft vorgetragenen Neidstereotypen um "Ferien" und "Freizeitüberhang" auseinander zu setzen hat, ist im Grunde schon bedeutungslos. Wenn man hingegen untätig mit ansehen muss, wie Lehrer in den Medien gedemütigt werden, treibt es einem die Zornesröte ins Gesicht.

Schon im Kinderfernsehen gilt das allsonntägliche Versenken von Lehrern in demütigender Schaumbadpose als pädagogisch wertvolle Unterhaltung (Tigerentenclub). Natürlich könnte man hier noch einwenden, dass die Lehrer dort ja freiwillig teilnehmen. Dämlich genug, ja. Aber wenn in Fernsehserien wie "Die Stein" Lehrern inzwischen sogar schon die bürgerlichen Grundrechte vorenthalten werden und der Eindruck erweckt wird, es handele sich bei Lehrern um reine Funktionsträger, denen die Grundformen der Höflichkeit ("Herr" oder "Frau") nicht entgegen zu bringen sind, bekommt die Verunglimpfung und Herabwürdigung Methode. Es verwundert daher nicht, dass bei Diskussionen um "unhaltbare Zustände" an deutschen Schulen grundsätzlich auch nur nach dem Wohl von Schülern gefragt wird. Das massenhafte "sozialverträgliche Frühableben" deutscher Lehrer, die alarmierend schlechte Gesundheitssituation und die hohe Zahl an Frühpensionierungen hingegen werden billigend in Kauf genommen und sind den Medien keine Erwähnung wert. 

In beinahe allen Berufen sind Fehlleistungen selbstverständlich. Fehlurteile von Juristen werden kommentarlos von der nächst höheren Instanz gekippt, Fehldiagnosen von Ärzten haben selten ernste Konsequenzen. Pfusch am Bau ist ärgerlich, aber in der öffentlichen Wahrnehmung im Grunde unvermeidlich, und Politik und Wirtschaft führen uns täglich vor, wie gut es sich auch ohne hinreichenden Kompetenzvorsprung arbeiten lässt. Sobald Lehrer jedoch vermeintliche oder tatsächliche Fehler machen, werden digitale Verunglimpfungen per Spickmich oder Youtube losgetreten, und selbst die Justiz sieht sich außerstande, hier wenigstens ein Grundmaß an Persönlichkeitsschutz für Lehrkräfte sicherzustellen.

Die Krönung ist jedoch, wenn Lehrern inzwischen auch schon ihre akademische Qualifikation abgesprochen wird. Ich selbst musste vor einigen Jahren ja noch schmunzeln, als mir ein Zehntklässler im Brustton der Überzeugung erklärte, Lehrer werde man ja nur, wenn einem die anderen Studienfächer "zu schwierig" seien. Zehntklässler. Wenn derartige Verbalinjurien jedoch von Deutschlands renommiertester Tageszeitung vorgebracht werden, wo Heike Schmoll sich tatsächlich zu dem Satz hinreißen lässt, Lehrer würden vor allem solche Studierenden, die sich anspruchsvolleren Aufgaben nicht gewachsen sähen (FAZ vom 4.10.2008), möchte man endgültig den Generalstreik an Deutschlands Schulen ausrufen. 

Wir Lehrer möchten endlich wissen: was haben wir dieser Gesellschaft eigentlich angetan, dass sie uns so behandelt? Lehrer erfüllen einen Auftrag der Gesellschaft, werden bei dessen Ausführung jedoch in keiner Weise unterstützt.

Die Schulpflicht, die Notengebung und die schulischen Vorschriften sind keine Erfindung von Lehrern. Und die Vorgaben für zu große Schulklassen, die mangelhafte Ausstattung und Instandhaltung der Gebäude und das Durcheinander bei den Schulreformen sind ausnahmslos nicht von Lehrern zu verantworten. Wer an unseren Schulen - möglicherweise zurecht - etwas auszusetzen hat, wende sich an die Leute, die für die Missstände wirklich verantwortlich sind.

Wenn es nicht gelingt, Lehrer gesellschaftlich und auch medial zu unterstützen, könnte es geschehen, dass es in einigen Jahren kaum noch Menschen gibt, die diesen so wichtigen Dienst an unserer Gesellschaft zum Beruf machen möchten. Mit poppig-bunten "Image-Kampagnen" der Kultusminister der Länder ist es nicht getan. 

Update: Einen sehr lobenswerten medialen Kontrast bot Anfang Oktober 2008 (Wdh. auf 3Sat am 16.10.08) die ZDF-Dokumentation 37 Grad, die anhand zweier ausgewählter Lehrer erschütternde Einblicke in die Tristesse des deutschen Lehreralltags gewährte. Unter der Überschrift "Immer am Limit - Lehrer und ihr harter Job" wurde konsequent mit der Mär vom überbezahlten Halbtagsjob aufgeräumt. 
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Januar 2010 um 17:36 Uhr
 

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