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Das bringt 2010 PDF Drucken E-Mail
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Sonntag, den 27. Dezember 2009 um 16:03 Uhr
Ein Jahrzehnt, laut TIME Magazine (7.12.09) die "Decade from Hell", geht zu Ende. Anlass für eine Nachlese und eine Vorschau auf das, was kommen könnte.

Schulpolitisch waren die Nullerjahre durchwachsene Jahre: neben PISA-Schock und Schulmassakern war das erste Jahrzehnt des neuen Millenniums zugleich auch geprägt durch Reformeifer, Schulstrukturdebatten und eine vormals ungekannte Bildungshysterie. Selbsternannte Bildungsshows schossen wie Pilze aus dem Boden, Deutschlands "klügste Lehrer" (und Schüler) wurden gekürt, und kaum ein Kinderspielzeug war weiterhin verkäuflich, wenn ihm nicht ein "von Pädagogen bescheinigter" erzieherischer oder schulisch relevanter Mehrwert innewohnte.

Alles schien sich auf einmal um Schule und Bildung zu drehen. An der Oberfläche war Bildung in Mode gekommen.  Das Gymnasium siegte sich in allen Beliebtheitsumfragen zu Tode und konnte die Nachfrage kaum noch verkraften. Und vielleicht wurden auch hier und da tatsächlich einige Bildungsausgaben erhöht. Tatsächlich aber schimmelten weiterhin die Gardinen in den Klassenräumen, die Lehrerarbeitszeiten wurden gnadenlos erhöht (und damit die Zeit eines Lehrers für jeden einzelnen Schüler verringert), Zulagen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld fast in allen Bundesländern gestrichen, Klassenstärken bis zur absoluten Schmerzgrenze nach oben getrieben und die Schultage bereits für Fünft- und Sechstklässler maximal verlängert.

Ein Reizwort der Dekade war G8, das Abitur nach nur acht Schuljahren am Gymnasium. Mehr Bildungsqualiität in weniger Zeit generieren: die Quadratur des Kreises schien perfekt. Die Diskussion um die Verkürzung der Schulzeit zeigt exemplarisch den Charakter der neuen Bildungsbemühungen des abgelaufenen Jahrzehntes. Sie schienen im Grunde  im Kern mehr an Rentabilität und Effizienz und weniger an Substanz und Qualität orientiert zu sein. Schulpolitik wurde faktisch zu einem Ressort der Finanzpolitik. In regionalen Netzwerken, Schulvorständen und selbständigen Schulen wurde fortan der schulische Mangel verwaltet: aber eben endlich autonom.

Die Nullerjahre waren wohl auch das letzte Jahrzehnt eines realitätsblinden Feminismus: Mädchenförderung, Frauenquoten und Gleichstellung wurden so konsequent betrieben, dass dabei die Jungen und die Belange des vormals "starken Geschlechts" auf der Strecke blieben. Die Weihnachtsausgabe der ZEIT bringt es auf den Punkt: "Der Aktionsrat Bildung spricht in einem aktuellen Bericht zusammenfassend von einer "eklatanten Minderbeteiligung von Jungen an höheren Formen des Bildungsgeschehens". Das heißt konkret: Jungen können schlechter lesen, sind ab der achten Klasse auch schlechter in Mathe, erhalten weniger häufig Gymnasialempfehlungen, gehen deutlich öfter ohne Abschluss von der Schule ab und machen das schlechtere Abitur." Doch ein Umdenken scheint hier bevor zu stehen: aus dem Bundesfamilienministerium, in dem seit Jahrzehnten der Feminismus unangefochtene Hausdoktrin war, plant man jetzt erstmals "Jungenförderung" und hat dafür ein eigenes Referat ins Leben gerufen.

Das abgelaufene Jahrzehnt war auch gekennzeichnet durch Computerisierung und den Aufstieg der sog., inzwischen auch gar nicht mehr so "neuen" Medien. Wie schon in den 70er Jahren das Sprachlabor zum Gradmesser der modernen Schule wurde, trat nun sein Nachfahre, der PC-Raum zum Siegeszug in den Schulen an. Der durchschlagende, substanzielle Erfolg der diversen Initiativen für PCs und Laptops in jedem Klassenraum lässt allerdings noch auf sich warten. Und nicht immer lief der Zug der Entwicklung in die erhoffte Richtung. Der Computer war eben nicht nur Assistent der Bildung, sondern konnte auch zum Komplizen des Terrors unter Schülern werden: das Cyberbullying war geboren.  Viele Kollegien mussten auch hilflos mit ansehen, wie das Internet zum Forum der Lehrerbewertung und oftmals auch der Lehrerdemütigung wurde. Nicht alle Erwartungen an das digitale Zeitalter wurden also erfüllt, ohne dass man mit Frank Schirrmacher gesprochen die Uhren an dieser Stelle zurück drehen könnte. Aber man wird gespannt und vielleicht mit etwas mehr Skepsis als in der Vergangenheit mit ansehen dürfen, wie sich diese Kulturrevolution weiter entwickelt.

2010 ist also zugleich Ende und Anfang. Was das neue Jahrzehnt bereit hält, vermag niemand vorher zu sagen. Wie schon Karl Popper wusste, ist das einzig Sichere an der Zukunft ihre Unvorhersehbarkeit. Sicher ist, dass weder übertriebener Pessimismus noch unkritischer Zukunftsoptimismus angemessen sein dürften. Eher schon Neugierde und gespannte Hoffnung. In diesem Sinne wünscht Lehrerzimmer.org seinen Lesern ein gesundes, neues Jahr und alles Gute für das neue Jahrzehnt!

 
 

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